Tagesarchiv: April 17th, 2007

MINI-SONDE VEBRENNT TUMORZELLEN
MEDIKAMENT SOLL BEHANDLUNG AUCH BEI GRößEREN TUMOREN ERMöGLICHEN

Durch eine begleitende Behandlung
mit speziellen Medikamenten wollen Wissenschaftler die Erfolgsrate
der Radiofrequenz-Ablation bei Patienten mit größeren Tumoren
erhöhen. Bei der Ablationstechnologie wird das Tumorgewebe durch
eine eingeführte Sonde verbrannt. Bislang war diese Methode nur dann
erfolgreich, wenn der Tumor noch relativ klein war. Das neue Verfahren
wurde auf dem "European Congress of Radiology" in Wien vorgestellt,
auf dem mehr als 16.000 Wissenschaftler aus 92 Staaten über
Entwicklungen in der Radiologie diskutieren.

Bei der Radiofrequenz-Ablation führen Mediziner unter Kontrolle von
Ultraschall oder Computertomografie eine mehrteilige Sonde in das
Tumorgewebe des Patienten ein. Diese erhitzt das Gewebe auf bis zu
100 Grad Celsius. "Der Tumor wird also gewissermaßen verkocht", sagt
Riccardo Lencioni von der Radiologischen Klinik der Universität Pisa
gegenüber pressetext. Da diese Hitzebehandlung sehr schmerzhaft sein
kann, erfolgt sie unter Schmerzmittelgabe oder Narkose.

Bei Lebertumoren wird das Verfahren bereits seit sechs Jahren
erfolgreich angewandt – allerdings nur im Frühstadium der
Erkrankung. Bei größeren Tumoren liegt die Erfolgsrate der
Radiofrequenz-Ablation dagegen nur bei 50 Prozent. Demnach breitet
sich der Tumor bei jedem zweiten Patienten auf das Nachbargewebe aus.
Die Wissenschaftler wollen die Behandlung deshalb optimieren, indem
sie die Patienten zusätzlich mit Zytostatika behandeln. "Die
Tumorzellen, die die Radiofrequenz-Ablation überlebt haben, sind so
stark geschwächt, dass das Medikament seine Wirkung voll entfalten
und den Tumor restlos zerstören kann", sagt Lencioni. Tierversuche
hätten bereits viel versprechende Ergebnisse geliefert – eine
Pilotstudie soll nun zeigen, ob die Ergebnisse auch auf den Menschen
übertragbar sind.