Supermärkte und Diskonter zeigen im deutschen Vergleich
Verbesserungen beim Fischeinkauf
Während die Fischereiminister der EU wie erwartet erneut die Chance verpasst haben, bei der Festlegung der Fangquoten für 2008 die Fischbestände Europas zu retten, reagiert deutsche Handelsketten sehr wohl auf die Überfischung der Meere. Das ist das Ergebnis einer heute veröffentlichen Untersuchung von Greenpeace Deutschland, in der elf Supermärkte und Lebensmitteldiskonter - viele von ihnen auch mit Tochterfirmen und Filialen in Österreich - bezüglich ihres nachhaltigen und transparenten Einkaufs von Fisch und anderen Meeresfrüchten durchleuchtet wurden.
Die Nase vorn hat in der Untersuchung der Diskonter Norma, der auch schon in Österreich Ende 2006 das Supermarkt-Ranking anführte. Auf Platz zwei liegt der nicht in Österreich vertretene Lebensmitteleinzelhändler Kaufland, gefolgt überraschenderweise vom Großhändler Metro, der noch Ende 2006 in der österreichischen Rangliste das Schlusslicht bildete. Auf den Plätzen vier bis sechs:
Lidl, Rewe (in Österreich mit Merkur, Billa und Penny-Filialen) und Aldi-Süd (Hofer).Noch knapp im Mittelfeld: Edeka, Netto und Tengelmann (in Österreich als Zielpunkt). Keiner der befragten Supermärkte erreichte jedoch eine "grüne" Bewertung und somit einen guten Standard beim Fisch-Einkauf. Zwar haben viele der Unternehmen Kriterien für "nachhaltig" gefangenen Fisch, diese sind jedoch oft weder schriftlich noch öffentlich verfügbar. Auch mangelt es meistens bei der praktischen Umsetzung der Prinzipien und bei der Transparenz für den Kunden.
"Es ist erfreulich, dass sich hier anscheinend einiges getan hat. Unsere Supermarktkampagne für ein nachhaltiges Fischsortiment in Österreich hat im Verlauf des Jahres 2007 eindeutig auch die deutschen Mutterkonzerne erreicht", sagt Antje Helms, Meeresexpertin von Greenpeace. "Die Lebensmittelkonzerne reagieren auf die Überfischung. Die schlechten Nachricht ist jedoch, dass wir in den Supermärkten immer noch Kabeljau, Scholle und Rotbarsch gefunden haben. Diese Fischarten gehören nicht in die Regale und Tiefkühltresen, da ihre Bestände bedroht sind. Wir fordern die Supermärkte auf, ihr Angebot wesentlich entschiedener umzustellen."
Für den Erhalt der Fischbestände müsste die Politik ein nachhaltiges Fischereimanagement durchsetzen und großflächige Meeresschutzgebiete einrichten. Doch die Fisch-Fangquoten für 2008, die von den Fischereiministern der EU in Brüssel heute veröffentlicht wurden, belegen das Versagen der zuständigen Minister. Wie von Greenpeace befürchtet, wurden die wissenschaftlichen Empfehlungen für niedrigere Fangquoten und die Vorschläge der Europäischen Kommission wie schon in den vergangenen Jahren ignoriert. Die Welternährungsorganisation (FAO) schätzt, dass weltweit 76 Prozent der kommerziell gehandelten Fischbestände maximal genutzt, überfischt oder bereits zusammengebrochen sind.